Quantum souverän zum Sieg
Mit einem Sieg im achten von neun Rennen von Barcelona dokumentierte die US-amerikanische TP52 „Quantum Racing“ ihre Dominanz im Audi MedCup Circuit 2011 und sicherte sich vorzeitig den Sieg in der Jahreswertung.
In der Eventwertung von Barcelona musste Skipper Ed Baird allerdings der schwedischen „Ràn“ und der spanischen „Bribón“ den Vortritt lassen. Den Kampf um einen Podiumsplatz in der Saisonwertung musste die deutsche „Container“ von Udo Schütz (Selters) auf der Startkreuz des Abschlussrennens für beendet erklären, als sie hoffnungslos hinter der direkten Konkurrenz, dem Azzurra Sailing Team (Italien), zurückfiel. Die Italiener sicherten sich schließlich Platz drei in der Saisonwertung. Mit zwei zweiten Plätzen feierte das Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) einen versöhnlichen Abschluss einer wenig optimalen Saison. Zwei Abschlusssiege der spanischen „Iberdrola“ dokumentierten deren Überlegenheit in der Jahres- und Barcelona-Wertung bei den Soto40.
Der Abschlusstag des Audi MedCup bereitete trotz des vorzeitigen Saisonsieges der „Quantum Racing“ mit America’s Cup-Sieger Ed Baird noch Spannung bis zum Schluss. Denn in der Gesamtwertung des Jahres lieferten sich das italienische Audi Azzurra Sailing Team und die deutsche „Container“ mit Steuermann Markus Wieser(Starnberg) ein Rennen auf des Messers Schneide um Platz drei. Lediglich ein Punkt trennte die beiden Kontrahenten vor dem Abschlussrennen, so dass schließlich das Finale über den dritten Podiumsplatz hinter der „Quantum“ und der spanischen „Bribón“ von Gonzalo Araujo zugunsten der „Azzurra“ entschied. Zudem war auch die Entscheidung über den Eventsieg vor Barcelona völlig offen. „Quantum Racing“, die schwedische „Ràn“ von Niklas Zennström und die heimische „Bribón“ lagen dicht beieinander. Rang vier zum Abschluss reichte schließlich der „Ràn“.
Der Sieg in der Jahreswertung war der „Quantum Racing“ schon vor dem Abschlusstag nur noch theoretisch zu nehmen gewesen. Doch das US-Team zeigte mit dem Start in den Tag, warum es an der Spitze der Wertung steht. Von Beginn an war die grüne Yacht an der Spitze des Feldes, sicherte sich einen souveränen Sieg und hatte damit schon die Jahreswertung gewonnen. Dass sie im letzten Rennen schließlich nur auf dem letzten Platz landete, war wohl auch der fehlenden Spannung geschuldet. So vergab die „Quantum“ zum Abschluss die Chance, auch noch das Event von Barcelona gewinnen zu können. „Es ist großartig, den Audi MedCup gewonnen zu haben. Wir sind ein sehr gutes erstes Rennen heute gesegelt und haben die ganze Zeit über geführt. Danach wollten wir auch noch das Abschlussevent in Barcelona gewinnen, aber ,Ràn’ ist wirklich stark gesegelt, wie sie es die ganze Woche über getan haben“, sagte „Quantum“-Taktiker Adrian Stead (Großbritannien).
Die „Ràn“ nutzte den Abschlusspatzer der „Quantum“ und der „Bribón“, um den Sieg im finalen Wettbewerb zu ergattern. Damit gab es in den fünf Events des Audi MedCup fünf verschiedene Sieger. „Es war ein guter Tag mit anstrengendem Segeln. Das zweite Rennen war wirklich hart. Bribón hatte einen Punkt Vorsprung, aber wir sind dann zu der Art zurückgekehrt, wie wir die Woche über gesegelt sind: sehr relaxed mit viel Spaß“, sagte „Ràn“-Eigner Zennström. „Wir sind wirklich glücklich, das Abschlussevent gewonnen zu haben. Das hat uns gezeigt, dass wir uns die Saison über gesteigert haben.“
Für die deutsche „Container“-Crew nahm der Audi MedCup einen enttäuschenden Abschluss. Nachdem das neue TP52-Projekt zum Auftakt der Saison mit Top-Platzierungen überrascht hatte und von Beginn an auf einem Podiumsplatz in der Saisonwertung gelegen hatte, vergab es die Chance auf den großen Erfolg am vorletzten Tag und konnte das Blatt zum Abschluss nicht mehr wenden. Trotz eines guten Startes in der letzten Wettfahrt konnte die „Container“ die gute Ausgangsposition nicht halten, fiel hinter die „Azzurra“ zurück und fand sich zwischenzeitlich ganz am Ende des Feldes wieder, um sich schließlich mühsam auf Platz fünf vorzuarbeiten. Da die „Azzurra“ aber das Rennen gewann, war der Kampf um das Podium für die Italiener entschieden.
„Container“-Steuermann Marcus Wieser saß gemeinsam mit Eigner Udo Schütz noch lange nach dem Anlegen auf der Schiff. Dem Steuermann war die Enttäuschung über den verpassten Sprung aufs Podium anzusehen. „Audi Azzurra“ habe ihn im letzten Rennen regelrecht „abgekocht“, sagte Wieser. „Aber wir sind auf der Kreuz einfach nicht schnell genug. Das ist unser Problem das ganze Jahr“, so Wieser. Grandios in die Saison gestartet, stimmte am Ende die „Container“-Performance nicht mehr. „Wir sind total enttäuscht, denn wir sind übers Jahr richtig gut gesegelt. Dass wir nach den Erfolgen zum Auftakt so abstürzen, damit hat nun wirklich keiner gerechnet. Bei Winden über 18 Knoten sind wir konkurrenzfähig, unter 15 nicht“, so Wiesers Fazit. Sein Blick ist bereits auf 2012 gerichtet: „Wir müssen unser Setup grundlegend ändern, haben zum Beispiel keine konkurrenzfähigen Segel. Momentan drehen wir uns im Kreis. Vielleicht ist dies das Lehrgeld, das wir in unserem ersten Jahr zahlen.“ Auch Udo Schütz ging bereits in die Fehleranalyse: „Wir haben uns nicht weiter entwickelt. Das müssen wir analysieren.“ Für ihn habe dies auch mit der Qualität und insbesondere mit der Zusammensetzung seiner Crew zu tun. Ob es 2012 mit dem „Container“-Projekt weitergehe, will der Unternehmer aus dem Westerwald Anfang kommender Woche entscheiden. Den avisierten Weg des Audi-MedCups Richtung Ostsee sieht er indes skeptisch: „Das verteuert die ganze Sache nur. Besser wären vier, fünf Boote mehr.“
Im Gegensatz zur „Container“ ging die Lernkurve des Audi Sailing Team powered by All4One mit Jochen Schümann am Ruder im Saisonverlauf nach oben. Aber trotz zweier zweiter Plätze am Finaltag war ein Podiumsplatz in der Saisonwertung in weiter Ferne. „Wir haben in den ersten beiden Events in der Saison zu viel verloren, mussten dort viel Lehrgeld für unseren Bootsneubau zahlen und hatten die Saison über ein Spinnaker-Problem“, sagte Schümann. „Vielleicht haben wir den Bau des Schiffes auch ein wenig überreizt und haben erst zum Schluss das Potenzial erreicht. Wir müssen jetzt überlegen, was wir am Boot und an den Segeln für die kommende Saison korrigieren können.“
Bei den Soto40 war die Vergabe der Titel in der Saison und vor Barcelona am Schlusstag fast nur noch eine Formsache, denn die „Iberdrola“ (Spanien) zeigte mit zwei Siegen ihre ausgesprochene Klasse. Teameigner José María Torcida war daher rundum zufrieden: „Die ganze Vorbereitung, die wir in das Projekt investiert haben, insbesondere bei den Segeln, war der Schlüssel zum Erfolg. Wir waren vom ersten Tag an sehr fokussiert und haben unsere Führung verteidigt. Das war wichtig, denn zum Ende hin wurde das Geschehen immer enger. Jeder hat einen sehr guten Job gemacht, es war wirklich großartiges Teamwork“, zog er sein Fazit.
Zahlen, Ergebnisse von Sonnabend, 17. September
Audi MedCup Circuit 2011
Conde de Godó Barcelona Trophy in Barcelona/Spanien (fünfte und letzte Regattaserie)
TP 52-Klasse
8. Wettfahrt:
1. Quantum Racing (USA), Skipper Ed Baird
2. Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel), Jochen Schümann
3. Bribón (Spanien), Gonzalo Araujo
4. Ràn (Schweden), Niklas Zennström
5. Container (Selters), Markus Wieser
6. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), Guillermo Parada
7. Synergy Russian Sailing Team (Russland), Eugeniy Neigodnikov
8. Gladiator (Großbritannien), Tony Langley
9. Wettfahrt:
1. Audi Azzurra Sailing Team
2. Audi Sailing Team powered by All4One
3. Synergy
4. Ràn
5. Container
6. Gladiator
7. Bribón
8. Quantum Racing
Endstand (nach neun von neun Wettfahrten) in Barcelona
1. Ràn, Niklas Zennström (Schweden, 2/1/1/2/5/1/4/4) 28
2. Bribón, Skipper Gonzalo Araujo (Spanien, 1/3/3/1/2/4/6/3/7) 30 Punkte
3. Quantum Racing, Ed Baird (USA, 3/2/2/7/7/1/2/1/8) 33
4. Audi Sailing Team powered by All4One, Jochen Schümann (Kiel, 6/8/6/5/3/2/3/2/2) 37
5. Container, Udo Schütz (Selters), Markus Wieser (4/7/5/4/1/6/7/5/5) 44
6. Synergy Russian Sailing Team, Eugeniy Neigodnikov (Russland, 8/4/8/3/4/3/4/7/3) 44
7. Audi Azzurra Sailing Team, Guillermo Parada (Italien, 5/5/4/8/8/5/5/6/1) 47
8. Gladiator, Toni Langley (Großbritannien, 7/6/7/6/6/7/8/8/6) 61
Saison-Abschlusswertung im Audi MedCup Circuit 2011
1. Quantum Racing (USA) 162,5 Punkte
2. Bribón (Spanien) 170,5
3. Audi Azzurra Sailing Team (Italien) 179
4. Container (Selters) 180
5. Rán (Schweden) 198
6. Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel), 202,5
7. Synergy Russian Sailing Team (Russland) 205,5
8. Gladiator (Großbritannien) 358,5
Soto 40-Klasse
7. Wettfahrt
1. Iberdrola (Spanien)
2. cruiser-racer.com (Spanien)
3. visit-malta.com (Spanien)
4. Iberostar (Spanien)
5. Ngoni (Großbritannien)
6. Bigamist (Portugal)
8. Wettfahrt
1. Iberdrola
2. Ngoni
3. cruiser-racer-com
4. Iberostar
5. Bigamist
6. visit-malta.com
Endstand (nach acht von acht Wettfahrten) in Barcelona
1. Iberdrola (Spanien) 15Punkte
2. Iberostar (Spanien) 23
3. Ngoni (Großbritannien) 25
4. cruiser-racer.com (Spanien) 28
5. Bigamist (Portugal) 34
6. visit-malta.com (Spanien) 43
Saison-Abschlusswertung im Audi MedCup Circuit 2011
1. Iberdrola (Spanien) 68 Punkte
2. Notica (Spanien) 104
3. Ngoni (Großbritannien) 119
4. Patagonia (Argentinien) 162
5. XXII (EUR) 176
6. cruiser-racer.com (Spanien) 208
7. Bigamist (Portugal) 214
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