Regatten

Bribón siegt – Deutsche mäßig

Letztes Update: 10. Oktober 2018

Heimsieg der „Bribón“ beim Audi MedCup im spanischen Cartagena. „Quantum Racing“ (USA) verteidigte Führung in der Saisonwertung. Deutsche Teams straucheln bei vorletzter Circuit-Regatta. Jochen Schümanns Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) büßt als Vierte Chance auf Podiumsplatz 2011 ein, Udo Schütz’ „Container“ aus Selters (5.) mit Skipper Markus Wieser muss diesen beim Finale in Barcelona verteidigen, statt nach der Krone zu greifen.

© Stefano Gattini_Studio Borlenghi/Audi MedCup


Trotz eines Finalsiegs verpassten die deutschen Segler am Sonntag (28. August) bei der vierten von fünf Audi MedCup-Regatten des Jahres einen Podiumsplatz. Im spanischen Cartagena belegte Jochen Schümann mit dem Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) nach seinem Gewinn im Juli in Cagliari/Italien nur den vierten Platz und hat dadurch kaum noch Chancen, in der Jahreswertung aufs Treppchen zu kommen. Auch die „Container“ von Udo Schütz aus Selters mit Skipper Markus Wieser (Starnberg), Siegerin vor Marseille/Frankreich bei der zweiten Serie, strauchelte als Fünfte. Auf die saisonbeste „Quantum Racing“ mit Steuermann Ed Baird aus den USA, Dritte in Cartagena, verlor die deutsche TP 52-Yacht 4,5 Punkte und muss nun ihrerseits beim Finale des Audi MedCup Circuit 2011 in Barcelona (12. bis 17. September) „Bronze“ verteidigen. Denn die spanische „Bribón“ von Steuermann Gonzalo Araujo glänzte an der Mittelmeerküste mit einem klaren Heimsieg vor dem „Audi Azzurra Sailing Team“ (Guillermo Parada) aus Italien, das nur 3,5 Zähler hinter der „Quantum“ nun auch Gesamtzweite ist.

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Es war ein versöhnlicher Abschluss einer ausgesprochen wechselhaften, für die Deutschen eher durchschnittlichen Regattaserie, als die feuerrote „All4One“ des Audi Sailing Teams die Ziellinie in der neunten und letzten Wettfahrt als Erste kreuzte. Unterm Strich fehlte der deutsch-französischen Mannschaft unter Skipper und Steuermann Jochen Schümann genauso die Konstanz wie der „Container“. Das launische Mittelmeerrevier an der Südostecke Spaniens gehörte eindeutig den Gastgeber und den Italienern. Auch die Top-Favoriten für den Audi MedCup Circuit-Sieg auf der „Quantum Racing“ hatten zu kämpfen, punkteten aber mit einem Gewinn der 1,5-fach bewerteten Mittelstrecke am vorletzten Tag.

Genau die schmerzte den Deutschen am meisten. „Im Küstenrennen haben wir unseren Podiumsplatz verschenkt“, bilanzierte Schümann, „aber nicht leichtfertig. Wir sind schlicht vor dem Wind bei mittlerer bis frischer Brise noch zu langsam.“ Der dreimalige Olympiasieger hatte das 30-Seemeilen-Rennen überlegen angeführt, aber den Vorsprung doch noch verloren.

„Unsere Einzelsiege haben wieder gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so der 57-Jährige weiter, „zufrieden können wir aber dennoch nicht sein. Immerhin wissen wir genau, woran wir arbeiten müssen. Das spornt uns an.“ Das Audi Sailing Team war mit einem neuen, radikaler als zuvor konstruierten Boot in die Saison gestartet und ließ zum Auftakt viele Punkte. Schümann: „Das waren in den ersten beiden Regatten schon fast hundert zu viel.“

„Wir sind einfach zu schlecht gesegelt hier, gar keine Frage“, machte Markus Wieser überhaupt kein Hehl aus seiner Wochenbilanz. „Wir hatten das Boot auf Leichtwind umgestellt, haben aber gegenüber der Konkurrenz an Boden verloren und sind im Vergleich langsamer geworden. Das macht einen dann unsicher und beeinflusst somit auch die Taktik negativ. Jetzt müssen wir uns wieder finden, in Ruhe die Fehler analysieren, und kommen hoffentlich gestärkt nach Barcelona zurück.“ Bis dahin gilt es, eine Feinanalyse aller Wettfahrten zusammen zu stellen, die vor Cartagena in stark unterschiedlichen Bedingungen stattfanden. „Vor dem Wind haben wir am meisten verloren, es gab aber hier auch überhaupt keinen Starkwind“, meinte Wieser. Eine Ursache sieht der in Berlin wohnende Profi unter anderem in einem missglückten, neuen Gennaker. „Der taugt leider nichts, und wir mussten mit einem alten, schon leicht ausgewehten Spi weitermachen.“

Dass neue Besen nicht automatisch gut fegen, bewies im Grunde die „Bribón“. Die Spanier segeln als Einzige ein „altes“ Schiff, das schon in der vorigen Saison im Einsatz war. Mit der erprobten TP 52 hatten sie im Frühsommer auch einen schwachen Beginn, machten das Boot aber immer schneller und sind nach „Quantum“ in Cascais/Portugal sowie den beiden deutschen Booten die vierten unterschiedlichen Sieger in der vierten Audi MedCup-Serie.

„Wir haben hart gearbeitet und sind inzwischen mit unser Bootsgeschwindigkeit sehr zufrieden“, sagte der niederländische Navigator Marcel van Triest, „und wir haben schlicht sauber gesegelt. Es gibt gar kein Geheimrezept für unseren Erfolg.“ Schon bei der Copa del Rey in Palma de Mallorca hatte die „Bribón“ die „Container“ geschlagen und Oberwasser bekommen. „Dort haben sie uns schon jeden Vorwindgang mehr als hundert Meter abgenommen“, so Wieser, „und das hat sich nun fortgesetzt.“

Tony Buckinghams „Ngoni“ aus Großbritannien überraschte in der kleineren Soto 40-Klasse Seriensiegerin „Iberdrola“ aus Spanien, die alle drei Events zuvor gewonnen hatte. Zwar ging der letzte Wettfahrtsieg noch einmal an die Gastgeber um Skipper Jose María Torcida, doch in der Gesamtwertung der Region of Murcia Trophy hatten die Briten mit vier Punkten den Bug vorn.

„Es war eine großartige Regatta für uns, wir sind hochzufrieden und überglücklich“, freute sich Buckingham noch an Bord. Lehrgeld bezahlen musste die neu hinzugekommene Crew der „cruiser-racer.com“ (ebenfalls Spanien) mit der deutschen Taktikerin Sabine Schumann aus Barcelona, der nur ein vorletzter Einzelplatz gelang. „Wir lernen das Boot erst kennen, wollen aber beim Finale vor meiner Haustür öfter punkten“, meinte die ehemalige ISAF-Vizeweltmeisterin in der Europe-Jolle, die damals für den Württembergischen Yacht-Club segelte.

Das Finale des Audi MedCup Circuits 2011 beginnt am Montag, dem 12. September, in der katalanischen Hauptstadt Barcelona mit den Vorbereitungsrennen. Die erste Wettfahrt ist für den Folgetag geplant. Die Entscheidung über den Saisonsieg im bedeutendsten Regattazirkel der Welt für Einrumpfboote fällt am Sonnabend, dem 17. September.



Audi Med Cup
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Über den Author

norbertomoreau

Norberto Moreau ist Mitgründer und Teilhaber der Allied Management Ltd Consulting Gruppe (Hongkong, Großbritannien, Spanien). Die Gruppe und seine Partner haben Aktivitäten im Bereich Yachting, Immobilien, Events und Online Business.
Aktivitäten mit eigenen Projekten (70%) / Consulting (30%). Norberto Moreau ist verfügbar für Consulting weltweit auf Messen, Regatten etc.

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