Regatten

Rolex Fastnet Race: weitere Zieleinläufe in Plymouth

Letztes Update: 10. Oktober 2018

Packendes Finale für die deutschen Yachten beim Rolex Fastnet Race 2011: Nachdem es im Zielhafen von Plymouth nach der Ankunft der großen Yachten einige Stunden ruhig zuging, kam es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (18. August) auf den letzten Meilen nach Plymouth zu engen Duellen mit Zieleinläufen im Minutentakt. Und mittendrin steckten die deutschen IRC-Yachten, von denen schließlich die „Haspa Hamburg“ nach einer gesegelten Zeit von drei Tagen, zehn Stunden, 28 Minuten und 13 Sekunden als erste das Ziel erreichte.

42 Minuten später folgte die „Varuna“ (Hamburg), und eine weitere Stunde darauf liefen die „Sjambok“ (Hamburg), „Shakti“ (Flensburg) und „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ ein. Von besonderer Dramatik war indes das Rennen in der Einheitsklasse Class 40 geprägt. Innerhalb von sechseinhalb Minuten passierten fünf Yachten die Ziellinie, und der Hamburger Mathias Müller von Blumencron verpasste als Dritter mit nur zweieinhalb Minuten Rückstand nach dreieinhalb Tagen nur knapp den Klassensieg. Auf halber Strecke musste dagegen die „Scho-Ka-Kola“ das Rennen beenden. Kurz nach Passieren des Fastnet Rock brach der Yacht das Ruder. Sie konnte aber ohne fremde Hilfe nach Cork/Irland ablaufen.

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Rolex Fastnet fleet at the Sutton Haven Marina, in Plymouth | Photo By: Rolex / Carlo Borlenghi


Enge Zieleinläufe gab es bei diesem Rolex Fastnet Race einige, doch die Class 40 stellte mit ihrer finalen Entscheidung alles in den Schatten. Nach drei Tagen, 14 Stunden, 17 Minuten und 28 Sekunden auf See trennten den Sieger Tanguy de Lamotte nur wenige hundert Meter von Platz fünf. Es war ein verdienter Sieg für den Franzosen, nachdem er den Großteil des Rennens die Flotte der Class 40 angeführt hatte. Doch wenige Meilen vor dem Ziel war das Rennen völlig offen. Bei der Einfahrt in die schmale Förde vor Plymouth hatte gar der Hamburger Mathias Müller von Blumencron mit seiner „Red“ den Bug vorn.

„Es war wirklich super spannend. So etwas habe ich bei einem Hochseerennen überhaupt noch nicht erlebt“, berichtete Müller von Blumencron. „In dem engen Fahrwasser auf der Kreuz gegen den Strom haben wir uns Wendeduelle geliefert wie auf der Alster. Zuletzt hatte ich so ein Rennen im Jollenbereich, im 505er.“

Fünf Meilen vor dem Ziel war die fünfköpfige „Red“-Crew noch Vierter, fuhr dann den optimalen Kurs und steuerte plötzlich in der Topposition das Ziel an.

„Dann haben wir uns aber für die falsche Seite in dem Fahrwasser entschieden und mussten noch zwei Boote passieren lassen“, sagte Müller von Blumencron.

So siegte schließlich de Lamotte auf der „Initiatives – Alex Olivier“ mit dem letzten Schlag ins Ziel vor Francesco Piva (Italien) auf der „Peraspera“ und Mathias Müller von Blumencron, der Platz zwei nur um 26 Sekunden verfehlte. Dennoch war das „Red“-Team rundum zufrieden.

„Es war ein tolles Rennen, wir hatten viel Spaß. Auf dem Weg zum Fastnet Rock waren wir mit 14 bis 18 Knoten in einer ständigen Gischtwolke wie bei einer Dauerdusche unterwegs. Und das ganze Rennen über lagen die Class 40 dicht zusammen. Es ist wirklich die faszinierendste Klasse, die sich derzeit im Hochsee-Bereich entwickelt, mit tollen Menschen und tollen Seglern.“

Rolex Fastnet fleet at the Sutton Haven Marina, in Plymouth | Photo By: Rolex / Carlo Borlenghi


Nur wenige Stunden vor der Class 40 waren die großen deutschen Yachten der Vermessungsklasse IRC Zero in Plymouth angekommen. Das nationale Duell gewann schließlich die „Haspa Hamburg“, die 50 Minuten vor Mitternacht in der Nacht auf Donnerstag die 608 Seemeilen lange Strecke von Cowes auf der Isle of Wight zum Fastnet Rock in der Irischen See und zurück nach Plymouth beendet hatte. In der Gesamtwertung konnten die Deutschen indes nicht ganz vorn mitmischen.

„Es war wirklich ein tolles Rennen mit 30 Knoten Wind auf dem Weg zum Fastnet Rock. Das spannendste war aber der Schlussabschnitt, als wir uns die Küste entlang ein Privatduell mit den anderen deutschen Yachten geliefert haben“, berichtete Torsten Hilbert, Skipper der „Haspa“, ein 52 Fuß langes Design von Judel/Vrolijk.

„Bei den Scillys vor dem südwestlichen Zipfel Englands haben wir das Wachsystem aufgelöst. Ab da war kein Mann mehr unter Deck. Wir haben alles gegeben, das volle Gewicht auf die Kante gebracht und sind sehr zufrieden. Als erstes deutsches Schiff im Ziel zu sein, ist ein schönes Ergebnis“, so Hilbert.

Berechnet muss sich die „Haspa“ aber den Klubkameraden des Hamburgischen Verein Seefahrt auf der „Norddeutschen Vermögen Hamburg“, einer Andrews 56, geschlagen geben, die zwei Stunden und sieben Minuten später in Plymouth ankam.

„Wir freuen uns natürlich, berechnet bestes deutsches Schiff zu sein“, sagte Steuermann Jan Gallbach, „es waren aber auch optimale Bedingungen für uns mit nicht allzu viel Wind.“ Auch auf dem Weg zum Fastnet Rock sei alles gut beherrschbar gewesen.

Auf dem Spigang zu den Scillys hatte die „Norddeutsche Vermögen“ dann den richtigen Riecher, als sie einen nördlichen Bogen wählte.

„Damit haben wir gegenüber den anderen Yachten einiges gut gemacht. Und auch auf der Kreuz nach Plymouth hoch haben wir die Dreher gut ausgesegelt“, sagte Gallbach.

Weniger vom Glück verfolgt war die „Scho-Ka-Kola“ von Uwe Lebens (Hamburg). Die 57-Fuß-Yacht (Reichel/Pugh) lag bis zum Fastnet Rock im deutschen Vergleich in bester Position. „Wir waren wirklich bester Dinge, waren der Meinung, das Heftigste überstanden zu haben, da der Wind nachließ und wir gut um den Fastnet Rock herum gekommen sind“, berichtete Lebens.

„Wir hatten gerade den Spinnaker gesetzt und haben uns auf einen schönen Home-Run gefreut, als uns plötzlich das Ruderblatt abbrach.“

Sofort legte die „Scho-Ka-Kola“ einen so genannten Sonnenschuss hin und packte sich auf die Seite. „Beinahe wären zwei Mann über Bord geschleudert worden. Daher sind wir froh, dass bis auf ein paar blauen Flecken und ein Beulen alles gut gegangen ist. Den Spinnaker mussten wir allerdings kappen. Glücklicherweise passierte das Ganze um sechs Uhr morgen, als es schon hell war. Im Dunkeln wäre es wohl deutlich kritischer geworden“, berichtete Lebens. Mit einem Reststück des Ruders gelang es der „Scho-Ka-Kola“-Crew aus eigener Kraft heraus den nächstgelegenen Hafen in Cork anzulaufen. Lebens:

„Das war natürlich bitter, da wir so schön im Rennen lagen. Aber wichtig ist, dass alle wohlauf sind. Und bis dahin hat es Spaß gemacht, in zwei Jahren sind wir wieder dabei.“

Am frühen Donnerstagnachmittag hatten 93 der 314 gestarteten Yachten, darunter 16 deutsche, das Ziel erreicht, 32 hatten das Rennen aufgegeben, die weiteren Teilnehmer werden in den kommenden Stunden und Tagen im Plymouth Harbour erwartet. Die wichtigsten Trophäe für den Gesamtsieg beim Rolex Fastnet Race, das am vergangenen Sonntag (14. August) in Cowes gestartet worden ist, ist der Fastnet Challenge Cup. Er wird ebenso wie die 30 anderen Trophäen bei der Siegerehrung am Freitag (19. August) an der historischen Royal Citadel mit Blick auf den Plymouth Sund und Sutton Harbour, wo die Mehrheit der Flotte liegt, vergeben.



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Über den Author

norbertomoreau

Norberto Moreau ist Mitgründer und Teilhaber der Allied Management Ltd Consulting Gruppe (Hongkong, Großbritannien, Spanien). Die Gruppe und seine Partner haben Aktivitäten im Bereich Yachting, Immobilien, Events und Online Business.
Aktivitäten mit eigenen Projekten (70%) / Consulting (30%). Norberto Moreau ist verfügbar für Consulting weltweit auf Messen, Regatten etc.

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